Bürgerrechtler kritisieren EU-Richtlinie zur Durchsetzung Geistigen Eigentums
09.03.2004: Gemeinsame Pressemitteilung vom Netzwerk Neue Medien und dem Verein zur Förderung der Freien Software in Österreich:
Breite Koalition aus Bürgerrechts-, Freie Software- und
Verbraucherschutzverbänden kritisiert scharf die heute im
Europaparlament beschlossene Richtlinie zur Durchsetzung von Geistigem
Eigentum. Massive Kritik kam auch von zahlreichen Unternehen und deren
Interessensvertretungen, wie etwa der Oesterreichischen Wirtschaftskammer
oder Sun Microsystems. Juengst reihte sich auch das britische House of Lords
in die Reihen der IP-Enforcement Gegner ein.
Massive Kritik kam auch von zahlreichen Unternehen und deren
Interessensvertretungen, wie etwa der Oesterreichischen Wirtschaftskammer
oder Sun Microsystems. Juengst reihte sich auch das britische House of Lords
in die Reihen der IP-Enforcement Gegner ein.
Ohne grosse Diskussion ist heute in Strassburg direkt nach der ersten
Lesung die Richtlinie zur Durchsetzung von Geistigem Eigentum abgestimmt
worden. Während bei weniger umstrittenen Richtlinien zwei Lesungen
üblich sind, wurde diesmal durch Geschäftsordnungstricks nur eine in
Anspruch genommen. Der Abstimmungstermin war erst seit Freitag bekannt,
Änderungsantraege wurden nicht mehr zugelassen.
Eine Koalition aus vielen europäischen Bürgerrechts- und
Verbraucherschutz-Organisationen warnt seit Monaten vor den Auswirkungen
der Richtlinie auf Bürger-, Verbraucherrechte, Innovation und
Wettbewerb.
Die Richtlinie wurde ursprünglich Anfang 2003 von der EU-Kommission
gegen kommerzielle Produktfälschung und -piraterie auf den Weg gebracht.
Die im Europaparlament für die Richtlinie federführende Abgeordnete, J.
Foutrou, brachte weitere Änderungen hinein. Nun fällt z.B. auch das
private, nicht kommerzielle Kopieren von Musik darunter. "Besonders
pikant ist, dass Frau Fourtou mit dem Vorstandsvorsitzenden von
Vivendi-Universal verheiratet ist, einem der grössten Nutzniesser dieser
Richtlinie. Hier wird ein grosses Demokratie-Defizit offensichtlich, das
Assoziationen an einen Bananen-Staat weckt.", so Markus Beckedahl für
das Netzwerk Neue Medien.
Erschreckend fuer die Bürgerrechtler war auch das Des-Interesse und das
Nicht-Wissen der Europaparlamentarier. "Nur sehr wenige Abgeordnete
haben sich inhaltlich mit der juristisch schlecht ausgearbeiteten
Richtlinie beschäftigt und an diesen orientieren sich die anderen. Hier
wurde von Seiten der Parlamentarier leichtfertig die Chance zur
Gestaltung vergeben."
Beckedahl weiter: "Wieder einmal wurde die Balance zwischen den
Interessen der Rechteinhaber und den Interessen der Gesellschaft
verschoben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten
Hausdurchsuchungen und Kontosperrungen bei Jugendlichen kommen. Hier
wurde vollkommen unverhaltnismässig eine Richtlinie auf den Weg
gebracht, die ihren ursprünglichen Zweck aus den Augen verloren hat und
jugendliche Tauschbörsen-Nutzer mit dem Organisierten Verbrechen
gleichsetzt. Dabei werden den Rechteinhabern Instrumente der
Selbstjustiz zur Verfügung gestellt, die den Datenschutz aushebeln und
Internetprovider zu Hilfspolizisten machen."
"Die IP-Mafia hat es diesmal mit Taschenspielertricks geschafft, das
Parlament faktisch auszuschalten, obwohl in den letzten Wochen immer mehr MEPs - wie etwa die österreichische Delegation - die Gefahren der RL richtig erkannt haben. Man wollte mit allen Mitteln verhindern, dass sich das Parlament ein weiters mal schützend vor europäische Klein- und Mittelständischen Unternehmen und Konsumenten stellt, so wie das bereits in der Frage der Softwarepatente geschieht.", sagte Georg Jakob vom Verein zur Förderung der Freien Software in Österreich.
Mehr Informationen gibt es in englischer Sprache unter
www.ipjustice.org/CODE/.
Netzwerk Neue Medien e.V., www.nnm-ev.de
Verein zur Förderung der Freien Software,
www.ffs.or.at
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