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Barrierefreiheit im Internet

25.03.2003: Barrierefreiheit bedeutet, Informationen im Internet für alle Menschen zugänglich zu machen - unabhängig von Behinderungen und unabhängig von eingesetzten Geräten und Programmen.

Was bedeutet Barrierefreiheit im Internet?

"Die Macht des Web liegt in der Globalität. Der Zugang eines jeden, unabhängig von Behinderungen, ist ein wesentlicher Aspekt." --Tim Berner-Lee, der Direktor des World Wide Web Consortium und Erfinder des World Wide Web

Barrierefreiheit steht für ein Internet ohne Schranken. Das heißt, dass Informationen im Internet für alle Menschen zugänglich sind - unabhängig von Behinderungen oder technischen Ein- und Ausgabenmedien. Letzteres können zum Beispiel eine Computer-Maus, so genannte Screen Readers oder Braille-Lesegeräte sein.

Barrierefreiheit basiert auf 5 Prinzipien:

Wahrnehmbarkeit setzt voraus, dass alle Inhalte und Funktionen so dargestellt werden, dass sie von allen NutzerInnen wahrgenommen werden können - mit Ausnahme der Aspekte, die sich nicht in Worten ausdrücken lassen. In der Praxis bedeutet dies, dass alle Informationen einer Site auch ohne Seh- oder Hörvermögen zugänglich sein sollen - Bilder oder Audiodateien beispielsweise müssen also einen erklärenden Text mitsichführen.

Bedienbarkeit stellt sicher, dass die Benutzeroberfläche von allen bedient werden kann. Ein Beispiel ist der unter Sehenden weit verbreitete Einsatz der Maus, um zu navigieren und an Informationen zu gelangen. Blinden oder mobilitätsbehinderten Menschen nutzt dieses Instrument nichts, da sie den Mauszeiger nicht erkennen bzw. die Mausbewegungen nicht kontrollieren können. Stattdessen bewegen sie sich mittels der Tastatur auf Internetseiten fort, wobei gewährleistet sein muss, dass alle Bereiche einer Website auch per Tastendruck erreichbar sind.

Navigierbarkeit meint eine auf den Inhalt abgestimmte Navigation, die sich leicht erschließen lässt und die NutzerInnen nicht verwirrt oder überfordert. Sie soll übersichtlich und effektiv sein, mit dem Ziel, die NutzerInnen so schnell und unkompliziert wie möglich zu der gewünschten Information zu leiten.

Verständlichkeit setzt voraus, dass Inhalt und Steuerelemente einer Site klar und nachvollziehbar ausgedrückt und dargestellt sind. Veranschaulichungen und einfache Ausdrucksweise schaden niemandem, sondern helfen im Gegenteil denen, die beispielsweise eine andere Sprache sprechen, nicht die nötigen Hintergrundinformationen oder Erfahrungen besitzen oder ein geringeres Auffassungsvermögen haben.

Robustheit der Technik steht für den Einsatz von Web-Technologien, die es ermöglichen, Informationen möglichst unbegrenzt in heutigen und zukünftigen Ein- und Ausgabenmedien wiederzugeben.

Ein wichtiger Ansatz in diesem Zusammenhang ist die Trennung des Inhalts von seinem Design. Genau das Gegenteil ist bei den meisten Websites heute noch der Fall: In ein und demselben Dokument befindet beispielsweise ein Nachrichtentext sowie Angaben darüber, wie dieser Text im Browser dargestellt werden soll (zum Beispiel: Hauptüberschrift erscheint im Schrifttyp Arial, in der Farbe blau).

Um den Nachrichtentext wieder verwenden und mit einer anderen Zugangssoftware abrufen zu können, muss er von den Angaben über sein Aussehen getrennt werden.

Die Markup-Sprache XML beispielsweise strukturiert die Informationen der Nachricht unabhängig von Zugangssoftware oder Ausgabegerät. Sollen die Nachrichten dann zum Beispiel im Netz veröffentlicht werden, werden sie mit einem so genannten Stylesheet verlinkt, das dem Browser vorschreibt, wie der Nachrichtentext auszusehen hat.

Dieselbe XML-Datei kann aber auch für andere Zielgeräte benutzt werden (z.B. für Datenbanken, Handys oder Fernsehen). Dazu wird sie dann mit einem neuen, auf das Zielmedium abgestimmtes Stylesheet verlinkt.

Wo treten Barrieren auf?

Es gibt natürlich mehr Barrieren, als in diesem Umfang beschrieben werden können. Hier eine kleine Auswahl:

  • Die Schriftgröße auf einer Website ist zu klein und kann auch vom Browser aus nicht vergrößert werden.
  • Bilder auf einer Website sind nicht mit einer alternativen Textbeschreibung versehen, so dass blinden Menschen oder solchen, die die Bildanzeige in ihrem Browser abgeschaltet haben, die Informationen der Bilder verschlossen bleiben. (Besonders fatal, wenn die Navigations-Links in Form von kleinen Grafiken dargestellt sind)
  • Die Schriftfarbe hat nicht genug Kontrast gegenüber der Hintergrundfarbe und wird somit (nicht nur für Menschen mit Sehschwäche) unlesbar. (Besonders kritisch bei Bildern, wo man Farben nicht abstellen kann)
  • Kleine animierte Werbebanner versuchen durch schnelles Blitzen oder Flackern Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Menschen mit Konzentrationsschwäche wird es unmöglich, dabei einen Text zu lesen. Bei Menschen mit Epilepsie kann das schnelle Flackern zu Anfällen führen.
  • Eine Website, die in Flash programmiert ist, kann nur unter komplizierten technischen Bedingungen und dann auch nur in bestimmten Fällen, von blinden Menschen gelesen werden. In der Regel bleibt der Inhalt von Flashseiten jenen Betroffenen gänzlich verschlossen. Hinzu kommen alle diejenigen, die aus den verschiedensten Gründen nicht über das Flash-PlugIn verfügen.
  • Die Navigation einer Website ist unübersichtlich, überladen und nicht konsequent durchgehalten. Für alle, aber besonders für Blinde und Internet-Beginner ist es eine oft unüberwindbare Hürde, sich zurechtzufinden.

Warum Barrierefreiheit und wer profitiert davon?

Ein barrierefreies Internet ist eine notwendige, politische Forderung und ein aus technischer Sicht folgerichtiger Ansatz für die Zukunft des Web.

Es ist eine gesellschaftspolitische Pflicht, Chancengleichheit auch im Internet durchzusetzen. Menschen mit Behinderungen profitieren in vielen Bereichen vom Internet mit seiner Vielfalt an Informationen, Kontaktmöglichkeiten und Dienstleistungen. Sie dürfen an der Wahrnehmung ihres Rechts auf freien Zugang zu Informationen nicht behindert werden.

Hinzu kommt die technische Dimension: Das Web hat sich seit jeher ausgeweitet und wird es in Zukunft weiter so halten, über die Computerbildschirme hinaus. Man wird Online-Information auch über das Handy oder im Fernsehen aus erreichen wollen und dazu benötigt man flexible Informationen, die jederzeit und überall zugänglich und abrufbar sind.

Barrierefreiheit hat enorme Vorteile für alle:

  • Menschen, die nicht hören können, haben die Möglichkeit, sich Audio-Informationen anzusehen bzw. zu lesen.
  • Menschen, die nicht oder nur schlecht sehen können, haben die Möglichkeit, sich visuelle Informationen anzuhören oder mit Hilfe einer Braille-Zeile zu ertasten.
  • Menschen mit Leseschwäche können sich die Inhalte über einen Screen Reader vorlesen lassen.
  • Menschen, die keine oder nur wenig Kraft haben, sich zu bewegen oder die ihre Bewegungen nicht kontrollieren können, ist es möglich, Internetseiten mit wenig Bewegungs- und Kraftaufwand zu bedienen und zu navigieren.
  • Zu dieser Gruppe zählen auch Menschen, die aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, beispielsweise. ihre Hände zu benutzen, weil sie das Steuerrad im Auto bedienen also all jene, die mit anderen Ausgabegeräten als dem Computer im Web surfen
  • Internet-Einsteiger, die wenig Erfahrung haben mit der Bedienung von Websites oder denen der Internetjargon noch unbekannt ist.
  • Firmen, die über umfangreiche Webauftritte und Datenbanken verfügen, verhilft der Ansatz von Barrierefreiheit (insb. die Trennung von Inhalt und Präsentation) zu einer erweiterten Zielgruppe, weniger Kosten- und Zeitaufwand und Imageaufwertung.

Barrierefreiheit schafft also die Bedingungen, dass Menschen mit den verschiedensten Bedürfnissen und Voraussetzungen, mit Hilfe verschiedenster Strategien und Technologien an die gewünschten Informationen gelangen.

Hinzu kommen ganz praktische Vorteile: Eine barrierefreie Website

  • überzeugt durch eine klarere Struktur
  • benötigt viel kürzere Ladezeiten
  • ist suchmaschinenfreundlicher
  • lässt sich einfacher instand halten und bearbeiten
  • ist weniger anfällig für fehlerhaften Code und Browserkompatibilitätsprobleme

Wie gestaltet man eine barrierefreie Website?

Um ein häufiges Missverständnis auszuräumen: Barrierefreiheit bedeutet nicht, einer Flash-Seite eine Textversion anzuhängen. Es gibt heute viele spannende Technologien und Techniken, die den Anspruch auf eine moderne, ästhetische und multifunktionale Website mit dem auf Barrierefreiheit vereinen.

Ein guter Anfang ist gemacht, wenn man Inhalt von Präsentation trennt. In der Webgestaltung bietet sich in diesem Fall die Kodierung von Seiten in der Markup-Sprache XHTML und deren Formatierung und Layouten mit Cascading Style Sheets an.

Indem man sich an die von der Web Accessibility Initiative herausgegebenen Richtlinien zur Barrierefreiheit hält, Seiten in validiertem Code schreibt und diese in möglichst vielen Browsers, Screen Readers und anderen Hilfsgeräten testet, ist man dem Ziel von Barrierefreiheit ein ganzes Stück näher gerückt.

Auf die technischen Feinheiten kann in diesem Artikel nicht eingegangen werden. Nähere Informationen bietet dazu das Online-Tutorium "Barrierefreie Webgestaltung", indem das Erstellen einer barrierefreien Website Schritt für Schritt beschrieben und erklärt wird.

Wer fördert Barrierefreiheit?

Seit 1999 setzt sich auf internationaler Ebene die Web Accessibility Initiative (WAI), eine dem World Wide Web Consortium (W3C) abgehörende Arbeitsgruppe, für barrierefreies Internet ein.

Die von der WAI publizierten Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte sind allgemein anerkannter Maßstab dafür, was Barrierefreiheit ist.

In der ersten Fassung können WebgestalterInnen anhand von Checklisten prüfen, ob ihre Internetseiten barrierefrei gestaltet sind. Genaue Richtlinien beschreiben die technischen Methoden, um barrierefreie Seiten zu produzieren. Eine neue Version der Zugänglichkeitsrichtlinien ist in Arbeit und erscheint voraussichtlich im März 2003.

Auch in Deutschland ist Barrierefreiheit mittlerweile ein viel diskutiertes Thema. Im Mai 2002 wurde das neue Gleichstellungsgesetz verabschiedet, das in der Verordnung für barrierefreie Informationstechnik (BITV) seit August 2002 öffentliche Institutionen dazu verpflichtet, sich an bestimmten Kriterien zur Barrierefreiheit zu halten.

Auf regionaler wie überregionale engagieren sich verschiedene Aktionsbündnisse, Verbände, Vereine, Arbeitsgruppen und schließlich auch Firmen für ein barrierefreies Internet. Einige wichtige sind:

  • BIK - Barrierefrei Informieren und Kommunizieren. Bietet Beratung und Instrumente zur allgemeinen Zugänglichkeit und Gebrauchstauglichkeit (Usability) von IT-Anwendungen
  • Einfach für Alle - Eine Initiative der Aktion Mensch

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